die geschichte

ANSIEDLUNG UND HANDEL

In einem Dokument aus dem Jahre 973 taucht zum ersten Mal der Name "Prore" auf, ein Hinweis auf den heutigen Namen des Ortes Plurs. Später dominierte jedoch der Name "Plurium": man nimmt an, dass dieser Name von Petronium abgeleitet ist, was soviel heißt wie Gebiet der Steine.

Im zwölften Jahrhundert trennte sich die Gemeinde Plurs von Chiavenna und bildete eine eigene Gemeinde mit eigenem Ortsvorsteher. Plurs verdankte den wirtschaftlichen Erfolg dem gewinnbringenden Abbau und der Bearbeitung des Specksteins, der Verarbeitung und des Exports von Seide und verschiedenster anderer Waren. Dazu kam die strategische Lage im Mittelpunkt der Handelswege, die von Italien aus nach ganz Europa führten. Die Bürger von Plurs waren besonders geschickt bei der Erhebung von Zöllen auf Waren, die zum Septimerpass in der heutigen Schweiz und zum Comer See transportiert wurden.

Die Valchiavenna ging im XV Jahrhundert von den Visconti an die Sforza und später, bis 1512, an die Franzosen über. In dem Jahr nahm der Freistaat der drei Bünde diese Gebiete ein und behielt sie bis 1797. Unter der Herrschaft der drei Bünde wurde Plurs der Handel mit dem Norden erleichtert.

Mit der Ausbreitung der Reformation erlaubte der Freistaat der drei Bünde die Koexistenz von Katholiken und Reformisten. Im Jahre 1597 hielt man in einer Kirche in Plurs, die dann  unter  einem  Erdrutsch  begraben  wurde,  eine  religiöse  Diskussion  über  den Stellenwert der Messe ab.

Die sogenannte "Disputation von Plurs": die Beziehungen zwischen den beiden Konfessionen riefen keine ernsthaften Auseinandersetzungen hervor; es herrschte notgedrungen eine friedliche Koexistenz.

Das  17. Jahrhundert überraschte Plurs  mit einem Erdrutsch im Jahre 1618. Nach einer Periode starker Niederschläge, begrub ein Erdrutsch vom Monte Conto am 4. September das Dorf mitsamt tausend Einwohnern. Von der dem blühenden Dorf überlebten nur die umliegenden Ortsteile, die heute noch teilweise an vergangene Zeiten erinnern (die romanischen Kirchen).

So überlebten in Prost die Kirche der Madonna, der Palazzo Vertemate Franchi, in Sant'Abbondio der Glockenturm von Valledrana, wenige Reste von Belfòrt, und in Santa Croce zwei romanische Kirchen. Der Abbau und Handel von Speckstein hielt sich bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurde dann fast ganz aufgegeben.

Im Jahre 1797 gingen Plurs und die Gemeinden der Valchiavenna an die Cisalpinische Republik über und im Jahre 1815 an Österreich im Königreich Lombardei-Venetien. Während des 19. Jahrhunderts wurden in der Valchiavenne zahlreiche Brauereien erbaut. Eine davon ist heute Sitz der Mineralwasserquellen Frisia und Bernina.

Das 10. Jahrhundert wurde durch die Nutzung der Wasserkraft mittels Staudämmen in Villa di Chiavenna und im Val di Lei gekennzeichnet.

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